Wo bleibt die Kreativität?
- Abgelegt in: Entertainment, TV
- Datum: 12. Apr 2008
Der Casting-Wahn will einfach kein Ende nehmen. Den deutschen Medien-Machern scheint einfach nichts anderes einzufallen. So viele verschiedene Shows wie in keinem anderen Land der Welt werden in Deutschland ausgestrahlt.
Den Anfang machte 2000 das aus Australien importierte Show-Format „Popstars“ (zunächst auf RTL2, dann auf Pro7). Da es die erste deutsche Casting-Show war, kann man sie immerhin noch als innovativ bezeichnen. Recht erfolgreiche Bands wie die „No Angels“ oder „Bro’Sis“ sind hieraus hervorgegangen. Als jedoch immer mehr Casting-Shows auf den Markt kamen, gelang auch den Siegern dieser Show nicht mehr der große Durchbruch.
Die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“, die seit Ende 2002 ausgestrahlt wird (mittlerweile läuft die 5. Staffel), ist wohl die kommerziell erfolgreichste. Vor allem die markigen Sprüche von Jury-Mitglied Dieter Bohlen machen diese Show aus. Beim Casting werden viele Kandidaten so in übelster Weise gedemütigt, denn oft sind die Sprüche nicht lustig, sondern einfach nur geschmacklos. Man muss Bohlen allerdings einräumen, dass er einfach unglaublich viele Idioten oder schlechte Sänger ertragen muss und so vielleicht einfach etwas Frust ablassen möchte.
Die Sieger von „DSDS“ sind meistens nur „One-Hit-Wonder“ – der erste Song kommt groß raus, aber spätestens wenn die nächste Staffel läuft, erinnert sich niemand mehr an sie. Die meisten erfolgreichen Kandidaten können zwar von ihren Aufnahmen leben, aber berühmt werden sie dadurch nicht gerade. Wer erinnert sich zum Beispiel noch an Elli Erl?
Etwas mehr Abwechslung bot die Show „Star Search“ (Sat.1), die nach kommerziellen Misserfolgen inzwischen abgesetzt wurde. Hier konnten die Kandidaten in den Kategorien „Comedy“, „Modeln“ und „Gesang“ antreten. In den USA brachte „Star Serch“ Stars wie Britney Spears oder Justin Timberlake hervor, aber wer sind dagegen Florence Joy und Martin Kesici?
Recht erfolgreich ist Heidi Klums Show „Germanys Next Topmodel“. Der Zickenkrieg kommt gut beim Publikum an, den Siegern wird eine Zukunft geboten. Ob die allerdings genauso erfolgreich ist wie die von Klum, die ja auch in einer Casting-Show entdeckt wurde, steht in den Sternen.
Wenig erfolgreich war „Die Deutsche Stimme“ – vom Gewinner Eddie Leo Schruff hat konnte man nicht mal diesen einen Top-Hit vernehmen.
Bei „The Next Uri Geller“ wurde in diesem Jahr ein guter Magier gesucht. Billige Tricks und einen beeindruckt spielenden Herrn Geller bekam das Publikum geboten.
Weitere deutsche Casting-Shows? „Teenstar“, „Fame Academy“ (beides RTL2), „Beste Stimme!” (KIKA), „You Can Dance“ (Sat.1), „Das Supertalent“ (RTL).
Ganz neu sind die Suchen nach Musical-Stars bei „Ich Tarzan, Du Jane“ (Sat.1) und „Musical Showstar 2008“ (ZDF). Bei ersterer bekommt man immerhin wirklich gute Sänger zu sehen. Geplant ist bei Pro7 für die nächsten Wochen die Show „Bully sucht die starken Männer“ – hier hält Michael „Bully“ Herbig Ausschau nach Schauspielern für seinen neuen Film.
Einen erfrischenden Kontrast zu dem „Casting-Gedöhns“ bietet Stefan Raab mit seiner Kult-Show „TV Total“. Zwar gab es hier auch zwei Casting-Shows – „SSDSGPS“ und „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ – doch mit Max Mutzke brachten diese immerhin den besten deutschen Grand Prix-Vertreter seit Stefan Raab selbst hervor, dessen 8. Platz bisher immer noch nicht getoppt wurde.
Raab zeigt im Gegensatz zu den anderen Medien-Vertretern Kreativität, hat eine Menge innovativer Ideen: Wok-WM, Turmspringen, Poker, …
Seine Show „Schlag den Raab“ ist so erfolgreich, dass sie als „Beat Your Host“ ins Ausland übernommen wurde – eine Seltenheit in der völlig unkreativen deutschen Medienlandschaft.





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