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Psyche der Pubertät

Für Jugendliche nur langweilige alte Schinken stehen seit einigen Jahren wieder im Lehrplan für den Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe. “Don Carlos” (Schiller), “Dantons Tod” (Büchner) oder “Effi Briest” (Fontane) mögen literarisch wertvoll sein, führen allerdings auch zu dem einen oder anderen nachmittäglichen Nickerchen. Da kann man schon mal dankbar sein, wenn man mal ein Buch zu lesen bekommt, dass einem nicht gleich die Lider schwer werden lässt.„Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von dem österreichischen Schriftsteller Robert Musil ist so eine erfreuliche Ausnahme. In diesem Buch geht es um den Internatsschüler Törleß, der in seiner Pubertät neue Gefühle in sich entdeckt, die ihm zunächst ein Rätsel sind und denen er auf den Grund zu gehen versucht. Ausgelöst werden diese Gefühle von dem mädchenhaften Basini.
Dieser wird von Törleß und seinen zwei Freunden des Diebstahls überführt, womit sie den Jungen in der Hand haben. Basini muss im weiteren Verlauf extreme Demütigungen über sich ergehen lassen, er wird misshandelt und vergewaltigt. Törleß empfindet bald jedoch eine größere Leidenschaft für Basini und lebt diese aus, bis sich schließlich noch ein Wandel in Törleß vollzieht. Törleß rettet Basini letztendlich zwar vor der vollkommenen Demütigung, seine Leidenschaft für ihn erlischt aber.
Das Buch hat zwar ein zugegebenermaßen schwieriges Thema und einige Längen, da Törleß öfters herumphilosophiert, doch es ist in einer (für heutige Verhältnisse) angemessenen Weise geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Abgesehen von diesen philosophischen Passagen, hinter denen sicher auch ein tieferer Sinn steckt, wird auch nicht im Effi-Briest-Stil beschrieben, welche Gardinen sich Törleß nun aufhängt oder welche Blumen Basini am liebsten mag; das Buch vermittelt keine Hochspannung, ist aber meistens interessant und sicher das Beste, was mir in diesem Schuljahr “vorgesetzt” wurde, auch wenn ich es nicht gerade freiwillig lesen würde.

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Ein Kommentar zu “Psyche der Pubertät”

  1. Mark says:

    Also ich habe Effi Briest als deutlich angenehmer empfunden: Zwar nicht wirklich spannend, aber eben nicht so möchtegern-philosophisch wie Musil es äußerst gerne praktiziert…

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